Was steht an?

Weltgebetstag in der Kirche Marienthal

 

Aber selbstverständlich!?

Was mich dabei nachdenklich stimmt, ist die Reaktion der Menschen, denen ich bisher davon berichtet habe. Die Mehrheit dachte, ich wäre da als Betreuerin gewesen, das sei doch bestimmt sehr anstrengend gewesen, 5 Tage mit solchen Menschen zu verbringen...

Weder das eine noch das andere ist wahr. Es war ein entspanntes und bereicherndes Miteinander, selbst die Menschen, die sich nicht sprachlich äußern konnten, konnten sich einbringen durch ihre Bilder, die so eindrucksvoll waren, dass sie "unseren" Malstil veränderten, wir mehr Mut zur Farbe bekamen.

 

Warum sind wir so gut darin, Menschen in Kästchen und Schubladen zu stecken, nach bestimmten Kriterien zu sortieren und abzugrenzen/auszugrenzen? Es gibt Alte und Junge, Dumme und Schlaue, Hübsche und Häßliche, Linke und Rechte, Christen und Atheisten, Musisch Begabte und Unbegabte, Wer legt die Kriterien fest? Warum wird meist vermieden, dass sich die Gruppen mischen? Warum steht das Leistungsprinzip so oft im Vordergrund? 

Diese Fragen stelle ich mir immer öfter, wenn ich darüber nachdenke, welche Angebote ich für welche Zielgruppe ausdenke. Meine Vision ist es ja, die Dorfgemeinschaft erreichen zu können, also unabhängig von Alter, Status oder Bildung. Leider ist das oft schon ein terminliches Problem: die Einen sind den ganzen Tag ausser Haus, können allenfalls am Wochenende, die Anderen gehen nicht mehr raus, wenn es dunkel ist...und Dritte wiederum sagen, dass das Angebot nicht ihren Ansprüchen genügt...

Erlebnisräume schaffen, das ist doch etwas. Erlebnisräume, die die verschiedenen Gruppen wieder zusammenbringen und erkennen lassen, dass wir alle Menschen mit Potentialen sind, dass wir letzendlich alle die gleichen Bedürfnisse haben und jeder etwas zu geben hat, jeder auf seine Art wertgeschätzt werden kann. Das ist übrigens das, was uns das Gebot der Nächstenliebe sagt: Liebe deinen Nächsten wie dich selbst. Was nicht meint, dass ich mir meinen Nächsten nach bestimmten Kriterien aussuchen soll. Natürlich gibt es Extreme, im Allgemeinen ist unser Filter aber recht eng. Zu engmaschig?

Ich bin jedenfalls voller Wohlbefinden wieder nach Hause gekommen. So viel Nächstenliebe, Geben und Empfangen, Freude und auch Trauer habe ich erlebt und sooo viel Menschlichkeit!

Seien Sie gesegnet! Seien Sie ein Segen! Ihre Kerstin Frieboese

P.S.:

Wer hat denn wohl welches Bild gemalt?

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