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Herr, Deine Güte reicht soweit der Himmel reicht...

 

Manchmal ertappe ich mich bei den Gedanken, dass es ja schön und gut ist, ich glaube an Gott, an seine Güte und unendliche Liebe, aber was hilft es mir jetzt gerade in diesem Moment? Ich habe mich geärgert. Sehr sogar. Um nicht zu sagen, ich bin gerade explodiert. Ich bin gesundheitlich angeschlagen, das Wetter ist blöd und dann noch dieses Telefonat. Gerne wäre ich ruhig geblieben, hätte viel lieber mit Geduld und Güte reagiert – aber was zuviel ist ist zuviel. Ich bin ja nicht Gott! Und wenn ich derart behandelt werde, nee, da kann ich einfach nicht ruhig bleiben. Was raus muss, muss raus!

 

Und dann habe ich noch im Internet dieses Foto aus Indien gesehen. Ein Slum, Wellblechhütten bis ans Ufer eines vollkommen vermüllten Flusses, der gleichzeitig das Trinkwasserreservoir der Anwohner ist.

 

Auf dem Bild sind spielende Kinder zu sehen. Wenn ich ganz genau hinschaue, kann ich erkennen, dass sie sich aus dem Müll einen Drachen gebaut haben. Sie scheinen Spaß zu haben, denn sie lachen. Ist das vielleicht doch Gottes Güte, der die Kinder trotz der fürchterlichen Lebensumstände einfach spielen lässt und ihre Fröhlichkeit genießt? Gott hat diesen Kindern die Fantasie gegeben, aus Nichts etwas zu machen, was sie erfreut und ausgelassen sein lässt. Vielleicht haben sie sogar eine Mutter, die sie liebt und ihnen demnächst aus dem wenigen, was sie hat, ein Essen zubereitet und sie in den Arm nimmt, wenn sie nach Hause kommen. Egal, ob in eine Wellblechhütte oder ein Zelt oder eine Villa.

 

Und ich sitze hier in meinem Haus und gräme mich, weil ich schlechte Laune habe.

 

Herr, Deine Güte reicht so weit, deine Liebe ist unendlich. Das wir auf einer Erde voller Gewalt und Ungerechtigkeit leben, kann ich dir nicht anlasten. Das ist Menschenwerk. Meine schlechte Laune auch. Ich muss mich nicht mit anderen vergleichen, um Dich, Gott, zu spüren, dir dankbar zu sein. Ich möchte das immer fühlen, na ja, wenigstens meistens. Und ehrlich gesagt, alleine dass ich diesen Text geschrieben habe, lässt mich schon wieder besser drauf sein.

 

Das ist wie beten. Herr, lass mich deine unendliche Güte spüren und annehmen, auch wenn ich manchmal zu sehr mit meiner eigenen Befindlichkeit beschäftigt bin. Du gibst mir die Kraft, dass dann zu relativieren, wieder in die Welt zu ziehen und zu versuchen, auch durch deine Botschaft, sie im ganz kleinen zu einem besseren, gerechteren, liebevolleren Ort zu machen. Und wenn ich heute nur ein Lächeln auf das Gesicht eines Menschen zaubern kann….

 

Danke auch für deine Unermüdlichkeit und Geduld, du lässt nicht nach, deine Energie und deine Ermutigung der Menschen ist unendlich.

 

Danke. Amen.

 

 

 

Und dann noch dieses schöne Lied, was mich seit meiner Jugend begleitet. Singen ist gut für die Seele….

 

1. Herr, deine Liebe ist wie Gras und Ufer,
wie Wind und Weite und wie ein Zuhaus.
Frei sind wir, da zu wohnen und zu gehen.
Frei sind wir, ja zu sagen oder nein.

Refrain:
Herr, deine Liebe ist wie Gras und Ufer,
wie Wind und Weite und wie ein Zuhaus.

2. Wir wollen Freiheit, um uns selbst zu finden,
Freiheit, aus der man etwas machen kann,
Freiheit, die auch noch offen ist für Träume,
wo Baum und Blume Wurzeln schlagen kann.

3. Und dennoch sind da Mauern zwischen Menschen,
und nur durch Gitter sehen wir uns an.
Unser versklavtes Ich ist ein Gefängnis
und ist gebaut aus Steinen unsrer Angst.

4. Herr, du bist Richter! Du nur kannst befreien,
wenn du uns freisprichst, dann ist Freiheit da.
Freiheit, sie gilt für Menschen,Völker, Rassen,
so weit, wie deine Liebe uns ergreift.

 

Bleiben Sie behütet!