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...und plötzlich ist er weg

Ja, lieber Jochen, diesen Block widme ich dir und deiner Familie. Es fällt mir sehr schwer, in der Vergangenheitsform zu schrieben. Wissen und Verstehen sind zwei Paar Schuhe.

Du streitbarer Geist! Als Waage  wird einem ja das Gerechtigkeitsempfinden förmlich mit in die Wiege gelegt und ich glaube, das war auch ein wichtiger Antrieb für dich. Du hast dich eingemischt und eingebracht. Du hast dich auf den Weg gemacht, als du dich für die Theologie und das Pfarramt entschieden hast. Als mein Mentor für meine Abschlussarbeit zur Diakonin hast du mich deine Begeisterung für die Theologie und den Gottesglauben erleben lassen.. Dorothee Sölle, mein Thema, war für dich in deiner Jugend Zeitgeschehen. Mit leuchtenden Augen hast du erzählt, wie ihr euch engagiert habt, die Kirche im Zuge der Bewältigung der Nachkriegszeit neu aufzustellen. Die Studentenbewegung skandierte: "Unter den Talaren der Muff von tausend Jahren" und ihr ward unterwegs für einen neuen und politischen Protestantismus. Die Friedensbewegung. Gott neu denken, Eigenverantwortung als Christ übernehmen und nicht darauf zu warten, das Gott es schon richten werde...das war fast eine neue Reformation! 

Es hat Spaß gemacht mit dir und deiner Begeisterungsfähigkeit. Gerne erinnere ich mich an unsere Osterritte durch die Dörfer des Sprengels, wie du dann hoch aufgerichtet auf der Kutsche standest und mit einem lauten "Der Herr ist auferstanden" die frohe Botschaft verkündet hast:

Viele Gottesdienste haben wir zusammen gefeiert. An Heilig Abend hast du immer wieder neue Krippenspielideen eingebracht. Ich erinnere mich auch gerne an den einen Gottesdienst, als du den Beginn auf 9.30 statt 10.00 festgelegt hattest. Wir waren dann schon fast durch mit der Liturgie, als du um 10 vor 10 die Kirchentür öffnetest....

Dieses Menschliche an dir, dass war schön und manchmal auch schwer. Nicht immer waren wir uns einig, aber das "in den Ring gehen" ist auch eine Qualität von dir gewesen.

Ach Jochen, noch ist es nur in meinem Kopf. Wir haben auf dich gezählt in diesem Chor- und Kirchenjahr. Und nun bist du einfach nicht mehr da.

Beerdigungen haben dich sehr berührt, wir haben das ja auch öfter zusammen erlebt. Nun hoffe und bete ich, dass dein friedvolles einschlafen auch ein friedvoller Übergang ist in eine andere Welt.

Ich spreche bestimmt nicht nur für mich, wenn ich sage: du wirst noch lange bei mir sein, in meinen Gedanken und in meinem Herzen. Wenn ich die Falkenthaler Kirche sehe, wenn wir Chorprobe haben, selbst wenn ich mich auf mein Pferd setze und erinnere, wie ich das Blumenkreuz über Land getragen habe....

Du bist im Frieden gegangen und du fehlst.