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Schatzsuche


Überall auf unseren Dörfern stehen sie, die alten Kirchen mit einem oftmals überraschenden Invemtar, Interieurund einer bewegten Geschichte. Zeitzeugen. Vor hunderten von Jahren mit großem Einsatz erbaut, manche sind abgebrannt und wieder aufgebaut worden, manche wurden erweitert, weil die Gemeinde größer wurde und es wichtig war, Raum für alle zu haben.

Die Kirche war in fast allen Lebenslagen für die Menschen da, hier wurden Taufen und Eheschließungen gefeiert, die christlichen Feste wie Ostern und Weihnachten, hier wurde für die Ernte gedankt und  sich verabschiedet von den Verstorbenen, hier wurde gemeinsam geweint und getrauert. Vielleicht war die Kirche auch Zuflucht in  Stunden der Angst und Verzweiflung. Ein Ort der Gemeinschaft, Ich erinnere mich an die Worte eines Kriegsgefangenen, der Ende der 1940ger Jahre aus der Gefangenschaft zu Fuss über hunderte Kilometer gelaufen war und als er die Kirche schon von ferne erblickte - seine Kirche - weinend zusammenbrach.

Wir wissen alle, dass es heutzutage nicht mehr so ist und können viele Gründe dafür suchen und finden. Und natürlich stellt sich die Frage, wie wir mit diesen Kulturgütern umgehen, deren Erhalt sowohl Engagement als auch viel Geld kostet.

Viel wichtiger finde ich aber auch die Frage, wie es um die Gemeinschaft steht, wenn Kirche weder als Zuflucht noch als geistliche Heimat mehr wichtig ist.

Natürlich können andere Orte und Beziehungen auch die Möglichkeit des Gemeinschaftserlebens bieten. Trauerfeiern gehen auch mit Rednern und ohne Aussegnung.

Gemeinschaft ist heutzutage aber oft wechselhaft und interessengesteuert. Im Fußballstadion besteht die Gemeinschaft in der Zugehörigkeit zum Fanblock, dem gemeinsamen Zittern und Anfeuern der eigenen Mannschaft. In einem schönen Konzert teile ich meinen Musikgeschmack mit anderen. Beim Parteitag bin ich mit politisch Gleichgesinnten zusammen. Ich muss mich ncht mehr auf den dörflichen Raum beschränken, um Beziehungen zu anderen Menschen zu haben. Facebook und die sozialen Netzwerke erlauben mir Kontakte zu Menschen in der ganzen Welt - eine faszinierende Möglichkeit, vom Schreibtisch aus Weltbürger zu sein!

Schließt das eine das andere aus? Meines Erachtens nicht. Schließlich ist es nicht nur mein Auftrag, sondern auch meine Überzeugung, dass die Kirche im Dorf gut und wichtig ist. Die Kirche - das ist mehr als ein Gebäude, es hat sogar nur bedingt etwas mit dem Gebäude zu tun! Kirche ist Gemeinschaft der Glaubenden, weltweit. Kirche ist respektvoll und tolerant. Kirche ist gelebte Nächstenliebe (Diakonie) und kein Selbstzweck. Und letzendlich sind wir Repräsentanten und  Diener einer Idee, Fussvolk Jesu, Bodenpersonal....

In der Blumenower Kirche ist der Zugang zur Kanzel nur durch den Beichtstuhl möglich. Das gefällt mir. Ich stelle mir vor, dieser Durchgang ermöglicht dem Predikanten, sich frei zu machen von Vorurteilen, sich zum Sprachrohr des Evangeliums zu machen. Und das Evangelium und die Liebe Gottes ist für alle da, ob sie sich dazu bekennen oder nicht.

Vielleicht kommt der Tag, an dem die eine oder andere Dorfgemeinschaft sagt, wir wollen unsere Kirche erhalten. Vielleicht kommt der Tag, an dem auch möglich ist, trotz Denkmalsschutzauflagen, Bauordnungen und den damit verbundenen Kosten zu entscheiden, dass es wichtiger ist, zu erhalten, jetzt, als den ordnungsrechtlichen Anforderungen genüge zu tun.

Vielleicht ist es auch an der Zeit, die Ausstattung der Kirchen zu verändern und einige Stücke einem Museum anzuvertrauen...

Fragen über Fragen. Eines weiß ich aber - Kirche wird es immer geben.

Bleiben Sie behütet!