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Verzeihen Sie bitte...

 

 

 Psalm 51,13

 

 

 

Erschaffe mir, Gott, ein reines Herz,
und gib mir einen neuen, beständigen Geist!
Verwirf mich nicht von deinem Angesicht,
und nimm deinen heiligen Geist nicht von mir!

 

 

 

 

 

 

 


Der Aschermittwoch in der vergangenen Woche hat den Beginn der Fastenzeit

markiert, ist Vorbereitung auf den Karfreitag und das anschließende Osterfest. Jeder Christ ist aufgerufen, sich von Dingen und Zwängen zu befreien, die das Glaubensleben beeinträchtigen oder uns von wichtigen Dingen des Lebens abhalten.

 

Wenn in biblischer Zeit Menschen als Zeichen ihrer Schuld fasteten, dann wollten sie zeigen, dass sie sich als Menschen gegenüber Gott bewusst zurücknahmen und ihr Leben wieder in Ordnung bringen wollten. Zum Beispiel fastete David, nachdem er Ehebruch begangen hatte (2 Sam 12,13–25). Menschen fasteten auch als Vorbereitung auf die Begegnung mit Gott, zum Beispiel Mose, bevor er von Gott die Zehn Gebote empfing (Ex 34,28), und Elija, bevor Gott ihm erschien (1 Kön 21,9). Auch im Neuen Testament kommt das Fasten vor: Jesus fastete, als er in der Wüste auf die Probe gestellt wurde (Mt 4,1–11). Seine Jünger jedoch sollten nicht fasten, da die Zeit seines Wirkens eine Freudenzeit war, in der kein Raum für Trauer war und damit auch kein Raum für das Fasten (Mt 9,14–17[KC7] ). In der Apostelgeschichte ist dann wieder vom Fasten die Rede. Demnach fasteten die ersten Christen vor der Aussendung von Missionaren (Apg 13,1-3[KC8] ) und vor der Einsetzung von Ältesten (Apg 14,23).

 

Lange herrschte das Verständnis vor, mit Fasten könne man nicht nur für seine Sünden büßen, sondern sich auch ein besonderes Verdienst erarbeiten. Viele Menschen gingen zum Beispiel in Klöster, um freiwillig asketisch zu leben. Sie versprachen sich davon eine intensivere spirituelle Erfahrung und eine besondere Stellung bei Gott. Gegen all das wandte sich Martin Luther in der Reformation mit dem Argument, dass der Mensch sich die Gnade Gottes nicht erarbeiten könne. Die frohe Botschaft des Evangeliums ist es, dass die Gnade Gottes ein Geschenk ist. In der Rechtfertigungslehre heißt es, dass die Liebe Gottes zu den Menschen so unendlich sei und fest zugesagt, dass es nicht am Menschen liege, sich diese Liebe zu verdienen oder sie zu verlieren.

 

Die Reformation war eine Revolution im Glaubensleben. Aus reiner Gnade wird der Mensch frei, frei von den Sünden und Vergehungen in seinem Lebenslauf. Der Handel mit der Sünde war damit abgeschafft.

 

Aber handeln wir nicht immer noch mit Gott? Kennen wir nicht alle diese „wenn – dann“ Gebete, zumindest aus unserer Kindheit? „Wenn du machst, dass ich keine 5 auf dem Zeugnis habe, werde ich für immer für Oma einkaufen gehen – auch wenn es mir keinen Spaß macht...“

 

Diese Vorstellung, so einfach „belohnt“ zu werden, ist eigentlich unserem Denken fremd. Bekommen wir ein Geschenk, denken wir oft schon daran, wie wir es vergelten können. Ein unvorhergesehenes Geschenk ist uns manchmal sogar unheimlich, was soll das wohl bedeuten? Was erwartet der Geber dafür von uns? Ich muss mich revanchieren!

 

Es einfach dankbar annehmen, unserer Freude darüber Ausdruck verleihen, das ist oft nicht unser erster Impuls. Aber meist ist es bestimmt so, dass ein Geschenk für sich steht, dem Beschenkten einfach eine Freude machen soll.

 

Auch wenn diese Gnade so umfassend ist und unverdient, steht einem Innehalten und einer Reflektion über die eigenen Verfehlungen nichts im Wege. Ein erwachsener, reifer Mensch tut gut daran, sich hin und wieder das Büßerhemd überzuziehen und sich zu fragen, ob sein eigenes Verhalten und Handeln jenseits aller Kritik steht. Nobody is perfect – na klar, aber es gibt bestimmt auch Begebenheiten, die einer Entschuldigung bedürften, und dafür braucht es auch manchmal viel Mut.

 

Ein schönes Wort ist das, sich entschuldigen: heißt es doch sich ent- schulden, die Schuld tilgen.

 

Manchmal ist es viel wichtiger, diese Entschuldigung nicht nur vor Gott sondern vor den Menschen zu bringen, den wir ungerecht behandelt haben. Es ist ein wunderbares Gefühl, wenn so eine Entschuldigung angenommen wird, man sich wieder unbelastet begegnen kann. Dazu gehört natürlich, wirklich zu vergeben...das ist manchmal auch nicht leicht.

 

Es gab eine Zeit, da erschien es mir fast blasphemisch, wieder und wieder meine kleinen und größeren Sünden vor Gott zu bekennen und um Gnade zu bitten. Wie ist das denn, wenn wir jemanden etwas versprechen und immer und immer wieder gefragt werden, ob wir unser Versprechen denn auch wirklich einhalten? Wir fühlen uns selber in Frage gestellt: „Glaubst du mir denn nicht? Denkst du, ich habe das nur so dahin gesagt? Ich habe es doch versprochen!“

Inzwischen ordne ich die auch in der gottesdienstlichen Liturgie (im Kyrie und auch im Vater unser) ritualisierte Bitte um Vergebung eher unter dem Kapitel "Danke, dass Du vergibst" ein, als Wertschätzung der Güte Gottes.

 

Das Innehalten in der Fastenzeit, dass in sich Horchen, was unseren Glauben betrifft, die Reflektion darüber, ob wir denn unseren eigenen Ansprüchen immer genügen ist ohne Frage bereichernd und befreiend. Ein reines Herz zu haben vor Gott, das ist ein schönes Ziel! Ein reines Herz zu haben, macht uns frei.