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Viel Spaß

 

Hier in Preußen ist Karneval nicht im Ansatz so beliebt wie im Rheinland und z. B. in der Schweiz. Wie ich darauf komme? Gerade habe ich Fotos von einer Freundin bekommen, die den Karneval in Luzern besucht hat. Ich hatte auch mal das Vergnügen und es war fantastisch.

 

Und wissen Sie, warum der Karneval hierzulande so wenig Zuspruch findet? Richtig! Eine Folge der Reformation. Wikipedia gibt Auskunft:

 

Bis heute ist der Karneval Sinnbild katholischer Mentalität... In der Schweiz hat Basel einen Sonderstatus: Die Stadt feiert trotz des seit Jahrhunderten vorherrschenden Protestantismus eine alte, traditionelle Fastnacht (Basler Fasnacht). Auch in Winterthur konnte sich die Winterthurer Fasnacht trotz Reformation und Verbot halten.“

 

Auf der Website evangelisch.de findet man folgendes dazu: “Auch wenn manche schwäbische Gegenden ihre Fastnacht auf uralte germanische Bräuche und Fruchtbarkeitsriten zurückführen, so liegt die Wurzel des Faschingsfestes doch im Christentum. Schon die  Namen "Fast-Nacht" (die Nacht bzw. letzten Nächte vor der Fastenzeit) , sowie "Karne-Val" (von lateinisch Carnem levare – Fleischwegnehmen) zeugen von dem engen Zusammenhang mit der vierzigtägigen Fastenzeit, die mit dem Aschermittwoch beginnt.

 

Die ersten Nachrichten über Fastnachtsfeiern stammen aus dem 12. oder 13. Jahrhundert als Gegensatz zur nachfolgenden Fastenzeit. Bevor nicht nur dem Fleisch, sondern allgemein Fett und Milchprodukten bis hin zur Sexualität vierzig Tage lang entsagt wurde, herrschte eine Zeit der Völlerei, der Maßlosigkeit, der derben Scherze und der sexuellen Ausschweifungen. Mancherorts wurde der Berufsgruppe, die am meisten unter dem Fasten zu leiden hatte, den Metzgern, besondere Aufmerksamkeit geschenkt. In Nürnberg beispielsweise ließen die Metzger in einem Tanz zum letzten Mal "die Sau raus".

 

Es ist sicherlich nicht so, das Dr. Luther keinen Humor verstand, im Gegenteil: „Martin Luther sah das Lachen als ein Zeichen göttlicher Gnade und als Gegenmittel gegen den Teufel an: "Verlacht den Feind und sucht Euch jemand, mit dem Ihr plaudern könnt... oder trinkt mehr, oder scherzt, treibt Kurzweil oder sonst etwas Heiteres. Man muss bisweilen mehr trinken, spielen, Kurzweil treiben und dabei sogar irgendeine Sünde riskieren, um dem Teufel Abscheu und Verachtung zu zeigen, damit wir ihm ja keine Gelegenheit geben, uns aus Kleinigkeiten eine Gewissenssache zu machen…" Luthers Tischreden sind voll von derben Scherzen und Humor. Auch gutem Essen und Trinken gegenüber war Luther nicht abgeneigt. Darin befand er sich in bester Gesellschaft: Schon Jesus Christus wurde als "Fresser und Weinsäufer" beschimpft.

Wenn Martin Luther den Fasching verbot, dann einerseits weil die derben Späße im Mittelalter bisweilen sehr ausarteten und er befürchtete, die Menschen könnten auf Dauer der Zügellosigkeit verfallen. Andererseits, weil er einem Fasten, das sich himmlische Belohnung versprach, kritisch gegenüberstand. An einer Fastenpraxis, die nicht als Verdienst vor Gott verstanden wurde, hielt Luther jedoch fest.“
(siehe www.evangelisch.de)

 

Nun bemühen sich ja die zugezogenen Rheinländer und Schwaben redlich, auch in Preußen den Straßenkarneval zu etablieren. Auf den Dörfern der Region gibt es auch schon Tradition gewordene Veranstaltungen und Karnevalsklubs, die mit großem Aufwand jährliche Programme auf die Beine stellen, mit Prinzengarde, Büttenreden und allem, was dazugehört.

 

Den Protestanten wird ja oft eine gewisse Freudlosigkeit nachgesagt – schon alleine die Ausstattung der Kirchen im Vergleich mit katholischen oder orthodoxen Gotteshäusern zeigt auf, dass der Schwerpunkt nicht im Ansprechen der Sinne (Bilder, Weihrauch, prunkvolle Monstranzen oder Reliquien) liegt, sondern in der Verkündigung und der eigenen Beschäftigung und Beziehungsarbeit mit und zu Gott. Nichts soll ablenken, nur die Schrift ist unser Fundament und Grundlage der Beziehung zu Gott.

 

Trotzdem – ein paar tolle Tage vor den 40 Tagen ohne sind nicht ohne Reiz. Der Politik mal eine lange Nase zu machen kann gut tun und miteinander fröhlich zu feiern ist immer gut!

 

Bleiben Sie behütet!